Leseprobe

Kapitel 1
Elisabeth fuhr Silvester mit ihrem Sohn und einer Nachbarin nach Zürich, sie wollten dort beim Feuerwerk über dem Zürichsee, das Neue Jahr begrüßen. Natürlich war die Innenstadt für den gesamten Verkehr gesperrt, ein kleiner Fußmarsch und das bei dieser Kälte, war angesagt. Es war schon kurz vor Mitternacht, als alle drei, endlich den richtigen Standort gefunden hatten. Aber es gab noch ein Problem, sie mussten noch einmal zur Toilette. Oh Schreck, die lange Schlange von Menschen vor ihnen hatte den gleichen Drang! Die Zeit raste dahin, unter den Wartenden war die Stimmung toll, Galgenhumor nennt man das. Alle malten sich aus, wie sie das neue Jahr, hier auf der Toilette begrüßen würden. Die drei, haben es noch geschafft, sie waren genau um fünf vor zwölf, draußen auf einem riesigen Platz voller Menschen, hatten noch Zeit, die Flasche mit dem mitgebrachten Champagner, zu öffnen und ihn in die Pappbecher zu gießen. Nur der Champagner war sauer, oh, richtig ekelig sauer. Das soll vorkommen, wenn man sich mit der richtigen Marke nicht auskennt. Das Gedränge und Geschubse auf die besten Plätze war natürlich vorprogrammiert, egal, es war ein Wahnsinnsgefühl, als die Lichter rund um den See erloschen und die ersten Raketen sich am Himmel öffneten. Die Pracht dauerte eine halbe Stunde, danach zerstreuten sich die Menschenmassen, die Ufermauer wurde sogar frei. Elisabeth, ihr Sohn und die Nachbarin, konnten sich endlich einmal hinsetzen und die Nacht genießen. Neben ihnen saß ein Mann, er sah aus, wie ein Penner, war sehr betrunken und in sich hinein gesunken. Nach einer Weile suchte er seine Habseligkeiten zusammen und versuchte sie in einen kleinen Rucksack zu stecken, dann ging er torkelnd davon, einige leere Sektflaschen ließ er zurück. Später, an einem Getränkestand trafen sie ihn erneut, neben ihm lag wieder eine leere Flasche. Jetzt betrachtete Elisabeth ihn genauer: „Nein wie ein Penner sah er nicht aus, obwohl seine Haare etwas sehr lang, etwas grau blond und ungepflegt waren, aber seine Kleidung war die eines ehrbaren Bürgers, also nicht schlecht.“ Er schaute herüber, hatte graue, traurige Augen, aber für diesen Augenblick der Begegnung strahlten sie. Komisch, kann er ein Künstler sein, dachte sie? Vielleicht ein Maler? Sie fragte sich: „Warum musste er seinen Geist benebeln? War das Absicht? Konnte er das neue Jahr nur im Suff ertragen? Hat er sich darum so voll laufen lassen?“ Nein, solche Gedanken wollte sie schnell wieder verscheuchen, für sie sollte das neue Jahr, ein neuer Anfang werden, alles Gewesene wollte sie ablegen, vergessen, abstreifen, einfach wegschwimmen lassen. Wie bei diesem Feuerwerk, wollte sie jede Lichtkugel als tausend Möglichkeiten sehen, jeder Funke, sollte ein Gedanke sein. Die drei schlenderten weiter, auf einer aufgebauten Bühne wurden alte Schnulzen der 60.-70 Jahre gespielt. Das war jetzt so richtig, um mitzurocken, genau nach ihrem Geschmack. Gleich neben der Bühne, an einem Getränkestand, entdeckte sie diesen Typen wieder. Sie sah, dass er schmunzelte, dann hatte er sie also beim tanzen beobachtet? Eine ganze Zeit ging dieses Spiel der Begegnungen weiter. Auf einmal entdeckte sie ihn, er lag zusammengekauert auf der Erde, konnte sich nicht mehr auf seinen Beinen halten, alle Umstehende machten einen großen Bogen um ihn herum und gingen einfach weg. Elisabeth eilte zu ihm, lächelte ihn an, hob ihn auf und sagte zu ihm: „Komm ich bring dich nach Hause!“ Er war verdattert, konnte vor Sprachlosigkeit nicht reden, musterte sie. Was wollte sie von ihm? War das reine Hilfsbereitschaft oder was steckte dahinter?“ Er staunte über sich selber, wie willenlos er sich abschleppen ließ, wie er eingehakt mit ihr loszog, ihr seine Adresse gab. Komisch, er hatte sich noch nie von einer Frau nach Hause bringen lassen! Elisabeth rief ihrer Begleitung zu: „Ich bin gleich zurück!“ Unterwegs ließ seine Starre, seine Verwirrung etwas nach, er konnte den Weg zu sich nach Hause genau beschreiben. Es war nicht weit, nur um ein paar Häuserecken herum, in einem Hochhaus, in der obersten Etage. Gott sei dank, mit einem Fahrstuhl! Jetzt schaute er Elisabeth unsicher an, sie verstand, holte aus seiner Hosentasche seinen Schlüssel heraus und schloss die Tür auf, er lächelte dankbar. Die Wohnung war riesengroß, ein Penthaus, man konnte den Zürichsee ganz aus der Nähe sehen, die Lichter vom Silvesterrummel erhellten den ganzen Raum. Und, genau wie sie es erwartet hatte, er musste Maler oder so etwas ähnliches sein, denn überall lagen Gemälde und halbfertige Arbeiten herum. Eigentlich hatte sie vor, ihren Schützling nur in seiner Wohnung abzusetzen, wollte gleich wieder verschwinden. Doch das war unmöglich, er war nicht einmal in der Lage aufrecht zu stehen. Es gab keine andere Möglichkeit, sie musste ihn auch, gleich nebenan, in das Schlafzimmer bringen und ihm beim Ausziehen helfen. Der Mantel, war kein Problem, Schuhe auch nicht, auch aus seiner Jacke war er schnell heraus, aber dann ging es los: Er röchelte, musste sich übergeben!! „Wo war das Bad? Und, wie schnell kamen sie dort hin?“ Zu spät, die Fontäne kam in einem hohen Bogen direkt auf sie zu. Sie hatte keine Chance an die Seite zu springen. Eine ordentliche Ladung landete auf ihrem Mantel, ja selbst die Bluse darunter, hatte an den Rändern etwas abbekommen. Oh, und dieser Geruch, nach Sekt und Wein, war nicht auszuhalten, ihr wurde übel. Jetzt musste er auch noch auf die Toilette! Gut, dass sie als Mutter auch darin Erfahrung hatte. Sie spürte, wie peinlich ihm das alles war, er konnte es nicht fassen, dass ihm so etwas passiert war. Sie tröstete ihn, lächelte, gab ihm zu verstehen, dass es nicht so schlimm für sie war. Dann brachte sie ihn, ohne einen Schlafanzug zu suchen in sein Bett, ging ins Badezimmer, wischte mit einem Handtuch so gut es ging den Boden auf. Anschließend zog sie sich ihre stinkenden Sachen vorsichtig vom Körper, duschte und versuchte den Schmutz aus ihrer Kleidung heraus zu waschen. Sie zog einen Bademantel, den sie im Bad gefunden hatte an und schaute nach ihrem Schützling. Genau in diesem Moment ging das Telefon, das war klar! Nein, sie konnte hier noch nicht weg, das war unmöglich, mit nassen Klamotten bei solchen Minusgraden, wäre das tödlich. Sie versprach ihre Sachen auf die Heizung zu legen und so schnell wie möglich zu kommen. Ihr Maler war von dem Anruf wach geworden, sah sie in seinem Bademantel, wusste wieder, was sich zugetragen hatte, konnte sich den Sachverhalt bildlich vorstellen. Elisabeth ahnte, wie er sich fühlen musste, dieser bleiche Mann tat ihr richtig leid, was konnte sie tun? Sie setzte sich zu ihm auf die Bettkante und versuchte die Situation herunterzuspielen. Es war ihr bewusst welche Vorwürfe er sich gerade machte. Sie lächelte, nahm seine Hand und beruhigte ihn. Langsam kam auch seine Stimme wieder. Er schaute sie mit großen Augen an und fragte vorsichtig: „Wer bist du? Warum hast du mir geholfen? Wo kommst du überhaupt her? Wie kann ich das wieder gutmachen??“ „Es ist schon gut“, meinte sie, „ich war einfach in diesem Moment für dich da. Ich denke, das hättest du auch für mich getan.“ Sie stand auf, ging schleunigst ins Bad und schaute nach der Wäsche. Die war noch klitschnass, nein, sie hatte keine Chance ihn jetzt zu verlassen. Sie setzte sie sich wieder zu ihm und schaute ihn lieb an. Seine Verzweifelung über sein Missgeschick ließ nach. „Willst du mir nicht deinen Name verraten“, fragte er sie? „Ich heiße Christian, du kannst mich aber Chris nennen.“ „Nenne mich Lisa“, gab sie ihm zur Antwort, „Elisabeth ist immer so lang.“ Nach einer Weile wollte er wissen, wo sie wohnt, wo sie her kommt und was sie in der Schweiz wollte. Sie erzählte, dass sie hier in der Schweiz bei ihrem Sohn zu Besuch sei, dass es ihr hier sehr gut gefällt, dass sie ein Buch über sich selber geschrieben habe und dafür einen Verlag suchte. Er hörte aufmerksam zu, beobachtete sie sehr eingehend, so wie Künstler das tun. Jetzt strahlten seine Augen: „Bitte“, sagte er, „erzähl mir von dem Geschriebenen, es interessiert mich wahnsinnig

Noch ein Ausschnitt aus: „Ein Stich ins Wespennest“den Fahrstuhl, bis ganz nach oben: „Oh Gott, wie war noch einmal sein Name? Egal, der oberste auf dem Schild muss es sein!“ Aber was war das denn, die Eingangstür war nur angelehnt, hatte er sie schon gesehen und sie geöffnet? Sie hörte seine Stimme, er telefonierte, hatte er gehofft, dass sie gleich eintrat? Jetzt sah er sie von Weitem und gab ihr ein Zeichen, sie möge sich einen Augenblick gedulden. Kein Problem, sie kannte solche Situationen zur Genüge, zog ihre Jacke aus und schaute sich ein wenig um. Es sah hier jetzt etwas anders aus, ein größerer Tisch war mit Gläsern und Kaffeetassen gedeckt, auf einer Staffelei war ein Gemälde angefangen. Sie stutzte: „War die Frau dort auf dem Bild, sie selber? Wieso waren hinter ihr Engelflügel gemalt? Das konnte nicht sein, dass er sie als Engel gesehen hat? Nein, ausgerechnet sie! Das war unmöglich, sie, die alle Männer immer heiß und verrückt machen konnte! Nein, das konnte bestimmt nicht sein, aber es war erstaunlich, wie gut er ihre Gesichtszüge und ihre Brüste angedeutet hatte. Darum hatte er sie so angesehen und gemustert, machen das Maler? Können die sich das so gut einprägen?“ Jetzt wurde das Telefongespräch heftiger, es hörte sich stark nach einer Auseinadersetzung an, was war los, mit wem könnte er so lautstark streiten? War er also doch verheiratet? Hatte seine Frau vielleicht von seinem Absturz und ihrer Hilfe erfahren? Oh, ja, fiel da nicht gerade Ihr Name? Es ging um das Bild, wo sie als Engel zu sehn war. Nein, das wollte sie nicht, wollte kein Mittelpunkt zu einem Streit sein, sie dachte schon an Flucht, wollte einfach jetzt gehen. Dann sah sie, wie er, wie ein Verbissener kämpfte, seine Blicke trafen sie, es war ein Flehen in seinen Augen, sie sollte ihn jetzt nicht alleine lassen! Nein, sie wollte stark sein und das mit ihm gemeinsam durchstehen. Jetzt hörte sie ihn sagen: „Wo warst du denn Silvester? In welchen Armen, hast du dich denn herumgetrieben? Hatte er wenigstens so viel Kohle, dass du auf deine Kosten gekommen bist? Hast du eine Minute, dabei an mich gedacht? Nein, ich bin schon lange für dich, nur noch Fußabtreter, was willst du denn eigentlich noch von mir? Oder, kannst du nicht haben, dass es einmal eine andere Frau für mich geben wird? Ist das Besitzanspruch? Meinst du, du könntest mich weiterhin, mit deinem Geld unter Druck setzen? Glaubst du, mir liegt hier etwas an deiner großen Bude? Ich habe Silvester etwas Unwahrscheinliches erlebt, ja mir wurde ein neues Leben geschenkt, daran werden du, dein Geld und deine Firma nichts ändern!“ Eine Pause war eingetreten, aber dann überschlug sich fast seine Stimme, er schrie: „Dann komm doch, ich habe keine Angst mehr vor dir!“ Der Hörer landete mit lautem Krach, auf dem nostalgischem Telefon. Chris ließ sich auf einen Schreibtischstuhl sinken. Lisa eilte zu ihm, legte ihre Arme um ihn und streichelte ihn: „Tut mir leid“, sagte er etwas geschwächt, „ich wollte nicht, dass du davon erfährst, aber nun bin ich froh, dass das erst einmal aus mir heraus ist. Eigenartig, mir ist, als wenn bei mir, gerade innerlich etwas geknackt hat, als wenn etwas abgesprungen ist, ich fühle mich frei, gibt es so etwas?“ Lisa beugte sich über ihn und drückte seinen Kopf an ihre Brust, so wie das in solchen Fällen Mütter automatisch machen. Ja sagte sie: „So etwas gibt es, ich habe es schon einige Male genauso erlebt, du hast gerade einen großen Schritt zu dir selber gemacht, du hast deine Angst durchlebt und sie überwunden, das ist das Gefühl der Freiheit.“ Sie küsste ihn auf seine Stirn. Er erhob sich und dann gab es kein Halten mehr, sie küssten sich leidenschaftlich. Ihre Umarmung wurde durch ein Türklingeln und ein Klopfen unterbrochen, es standen drei Männer in der Eingangstür. Oh, je, wie lange mögen sie da wohl gestanden haben? Hatten sie auch dieses Gespräch mit angehört? Mussten sie wohl, sie wirkten alle ein wenig betroffen und eingeschüchtert. Chris ging auf die Herren zu, sagte: „Dann brauche ich euch ja wohl nichts mehr erklären, kommt, setzt euch, ich habe schon alles vorbereitet. Martin, du kennst dich hier aus, holst du bitte schon einmal den Kaffee? Ach, darf ich euch allen meine Lisa vorstellen?“ Die Herren schauten erleichtert aus, musterten voll Genugtuung die Frau, die sie anlächelte. Dann setzten sie sich um den großen Tisch herum, Martin brachte den Kuchen und den Kaffee. Chris erhob sich und sagte: „Ihr habt ja gehört wie es aussieht, ich habe beschlossen, mein Leben neu zu gestalten, will nicht länger Hanswurst von dieser Frau sein. Ich werde die Firma und auch diese Wohnung verlassen, wohin ich gehe, weiß ich noch nicht, das wird sich ergeben.“ Er wandte sich an Lisa, grinste herausfordernd: „Ich habe mir heimlich von deinen Sohn dein Manuskript geben lassen.“ Jetzt hob er eine Decke hoch, hielt ein Buch in seiner Hand: „Meine Liebe, mein Engel in meiner größten Not, in meiner schwersten Stunde, ich habe dein Lebenswerk gelesen, dich verstanden, dich bewundert, ich habe es drucken lassen, das hier ist mein Dankeschön an dich. Ich bin nicht nur Maler, Grafiker, nein ich gehöre auch zu diesem Verlag, den ich jetzt verlassen werde.“ Die Männer sahen erschrocken hoch, meinten einstimmig: „Das kannst du nicht machen, das ist unmöglich, du hast die Firma aufgebaut und zum Erfolg gebracht!“ Chris erwiderte: „Ja, aber zu welchem Preis? Das Geld hat Charlotte, sie hat es mich täglich spüren lassen, hat mich behandelt wie einen Hund, was hat sie aus mir gemacht, nein, ich will nicht mehr, ich gehe! Ich denke, ihr werdet sie gleich noch erleben, sie ist auf dem Wege hierher. Das Buch der Lisa wird nicht durch unsere Firma verlegt, sie ist Ihres nicht würdig genug, dieses Buch verdient einen besonderen Verlag. Ihr habt es doch auch gelesen, seid ihr mit mir derselben Meinung?“ Lisa wurde rot, als die Herren es bejahten. Sie aßen jetzt Kuchen, Martin schenkte erneut Kaffee ein. Und dann: gab es einen ohrenbetäubenden Lärm, es knallten Schüsse, mit lautem Krach flog die Eingangstür auf. Eine gut aussehende Frau stürzte herein, sie war schlank, so um die 50 Jahre alt. Das musste also Charlotte, die Frau vom Chris sein! Jetzt kam sie, außer sich vor Wut auf Lisa zu und schrie: „Du Schlampe, glaubst du, du könntest mir meine Beziehung kaputt machen? Wer bist du denn? So ne blöde Deutsche, die glaubt, sich hier in eine echte Schweizer Firma einzuschleichen? Hörst du? Ohne mich!!“ Lisa schaute die Frau ruhig an, stutzte, sah, dass sie irgendetwas in ihrer Hand hielt, oh Gott, das war eine Pistole. Charlotte schrie weiter: „Ich knall dich und diesen Macker gleich ab und damit du es weißt, dieses bekloppte Buch wird nicht in meiner Firma gedruckt! Ist das klar?“ Sie fuchtelte wie wild mit der Waffe herum, schrie und keifte fürchterliche Gemeinheiten über die Deutschen. Lisa sah, dass Martin heimlich das Handy benutzte, ob er wohl die Polizei benachrichtigte? Komisch, sie spürte überhaupt keine Angst! Nein, sie stand einfach nur da und beobachtete das Geschehen! Aber dann, mit einem Male ging sie unerschrocken und forsch auf Charlotte zu. Diese war total überrascht, schaute ganz verdattert, ging einen Schritt zurück, wusste nicht, was Lisa vorhatte. Und genau, das war der Moment: Lisa sprang die wild gewordene Furie an, nahm sie mit einem Ruck in den Schwitzkasten und drückte sie zu Boden! Im Raum wurde es still. Jetzt kletterte sie auf ihre Kontrahentin, so, dass die sich nicht mehr bewegen konnte, in deren Hand steckte immer noch die Waffe! Dann holte Lisa aus und gab der Charlotte eine schallende Ohrfeige! Irgendetwas, flog durch den Raum, was war das? Das war eine Perücke! Wo kam die denn her? Na, woher wohl? Die kam von der feinen Dame, die jetzt winselnd und wütend auf dem Boden lag und, die fast eine Glatze hatte. Wie peinlich! Die jetzt tobte, schrie und spuckte! In diesem Augenblick wurde es taghell, viele Blitze zuckten. Martin hatte nicht nur die Polizei, sondern auch Reporter gerufen und die kamen jetzt durch die geöffnete Tür herein. Klar, dass dieser Anblick für die Herren der Presse etwas Außergewöhnliches war sie mussten zweimal hinsehen, um zu erkennen, dass die Eine, die Kahlköpfige, die Charlotte war, eine der gefährlichsten, arrogantesten Frauen weit und breit. Jetzt hörte man Sirenen, die Polizei fuhr vor! Lisa saß immer noch auf ihrem „Opfer.“ Die eintretenden Beamten trauten ihren Augen nicht, mit so etwas hatten sie nicht gerechnet, sie forderten Lisa auf, aufzustehen und die Frau freizugeben. Lisa sagte ganz ruhig: „Dass mache ich gerne, aber vorher, werden sie dieser Dame ihre Waffe abnehmen!“ Die Beamten stutzten, einer beugte sich zu dieser Gestalt am Boden, öffnete gewaltsam ihre Hand. Charlotte schrie auf, lies die Pistole fallen und fluchte fürchterlich, ihre Wortwahl war nicht die, einer feinen Lady. Lisa wurde von der Polizei aufgehoben, der anderen Person legten sie Handschellen an, hoben sie hoch und schoben sie zur Tür hinaus! „So, meine Herrschaften.“, sagte der Polizeichef: „Das war es wohl, wir haben genug gesehen, diese Frau wird jetzt erst einmal, für eine Weile aus dem Verkehr gezogen, das Schriftliche machen wir Morgen.“ Zu Lisa sagte er: „Sagen sie mal, hatten sie keine Angst? Wieso, hatten sie den Mut, sie zu überwältigen?“ Nach und nach verschwand die ganze Gesellschaft, zurück blieben nur die Freunde, Chris und Lisa. Eine Weile war es still im Raum, jeder musste erst das Geschehene verarbeiten. Dann stand Chris auf, nahm seine Lisa in die Arme und sagte: „Jetzt hast du mir schon zum zweiten Mal mein Leben gerettet, also bist du doch mein Engel.“

Und noch ein Ausschnitt:
Das Klingeln eines Telefons riss sie aus ihren Gedanken, Chris ging hin, meldete sich, wurde blass und setzte sich auch auf einen Stuhl: „Nein, das kann nicht war sein“, hörte man ihn sagen. „Und das glaube ich nicht, nein ich kann es nicht glauben, das ist ja unfassbar.“ Lisa eilte zu ihm und hörte das Gespräch mit an, Martin war am anderen Ende, er war sehr aufgebracht. Chris sagte: „Kommt bitte alle schnell her, das können wir nicht hier am Telefon bereden! Seid vorsichtig!! Wenn der Lieferwagen noch da ist, bringt ihn mit, ich kann dann meine Bilder und das Wichtigste hier noch retten. Habt ihr das Manuskript und alles was dazu gehört mitnehmen können? Bringt es bitte mit, seid vorsichtig, dass euch nichts passiert, beeilt euch!“ Chris zitterte, war jetzt kreidebleich, Lisa gab ihm ein Glas Wasser, dann sprudelte es aus ihm heraus: „Charlotte hat von dem Gefängnis aus ihren Anwalt angerufen, das ist der, mit dem sie Silvester zusammen war. Sie hat ihm Anweisungen gegeben: „Zuerst alle Konten sperren! Alle Mitarbeiter entlassen, alle und zwar fristlos! Er sollte dafür sorgen, dass ich heute noch aus ihrer Wohnung verschwinde, er soll ihren Schlägertrupp mitbringen, sie sollen meine Bilder, alle persönlichen Sachen und auch uns beide zertrümmern! Das Buch und auch das Manuskript will sie haben! In die Morgenzeitung, soll er einen Artikel setzen und die Auflösung ihres Verlages bestätigen! Die Zeitungen, sollen über mich Verleumderisches schreiben, unter anderem: Ich hätte Unterschlagungen begangen, sie hat davon erfahren und wäre ausgerastet, man hat sie zu Unrecht ins Gefängnis gesteckt. Er soll sie da herausholen, sie will kurzen Prozess mit uns machen! Wenn er ihre Anweisungen nicht befolgt, dann wüsste er, sie hat ihn in der Hand und wird ihn kalt machen!“ Lisa wollte wissen, woher der Martin das alles wusste: „Eine Mitarbeiterin aus dem Büro des Anwaltes, hat dieses Gespräch der beiden mitgehört“ sagte er. Sie hatte schon lange den Verdacht, dass ihr Chef in irgendeine Machenschaft der Charlotte mit hineingezogen wurde. Martin sollte vorsichtig sein, es dürfte keiner erfahren, dass sie dieses Gespräch belauscht hatte. Eine Stimme kam aus dem Flur: „Oh nein, das hier ist mehr als ein Krimi! Ich wusste ja schon immer, dass sie eine Hexe ist, aber wir haben sie alle noch unterschätzt.“ Das war einer der Freunde, sie kamen eilig in die Wohnung. „Lisa“, sagten sie, „wir haben gerade dein Auto entdeckt, es ist total kaputt, nur noch ein Schrotthaufen, auf der Motorhaube liegt ein Schild, es steht darauf: „Du Schlampe bekommst ihn nicht." „Mein armer Onkel Willi“, meinte Lisa, „was hast du ihr denn getan?“ Chris wollte wissen: „Habt ihr den Lieferwagen? Lasst uns anfangen und hier alles retten!“ „Und wo sollen die Sachen so schnell hin, damit sie keiner findet?“, wollten alle wissen? Chris überlegte: „Ja, wo sollen wir denn damit hin, das ist eine gute Frage, wo vermutet sie die nicht? Dann ist der Firmenlieferwagen keine gute Idee! Wisst ihr eine andere Möglichkeit?“ Martin hatte eine Idee: „Wir holen ein Miettaxi, stellen alles in ein öffentliches Lagerhaus, da sind die Sachen versichert und gut aufgehoben.“ „Übrigens“, sagte er. „Ich habe wieder die Polizei benachrichtigt, sie schicken Kripobeamte in Zivil, sie hoffen, bei der Schlägertruppe gleich abzusahnen, dort, alte Bekannte zu finden.“ Das Taxi fuhr vor, alle packten mit an, die Bilder und auch alle angefangenen Arbeiten waren Ruckzuck aus der Wohnung. Die beste Idee kam vom Sohn, er sagte: „Das Sicherste ist, ihr werdet bei mir zu Hause schlafen, Mama, dein Bett ist doch groß genug für euch zwei!“ Nun ging es schnell, alle Kleidungsstücke und persönlichen Sachen vom Chris, wurden ins Auto vom Sohn geschafft. Plötzlich erschien ein junger Mann in der Tür, er war völlig aufgelöst und zitterte am ganzen Körper. Es war der Lehrling aus der Firma, ein persönlicher Untertan der Charlotte. Martin und Chris eilten zu ihm. „Chef ich muss ihnen was Wichtiges geben“, sagte er. „Wenn das hier heraus kommt, bin ich tot, aber es ist mir jetzt egal. Sie waren immer gut zu mir, obwohl ich es eigentlich gar nicht verdient habe.“ Chris war aufgebracht, er kannte den Jungen, wusste, dass da etwas zwischen Charlotte und ihm war, hatte das als Träumerei abgetan. „Also“ sagte er: „Was willst du mir so Wichtiges geben und warum denkst du, es will dir jemand etwas antun?“ „Ich war ein Geliebter ihrer Frau“, sagte der Jüngling. „Sie war für mich eine Domina, ich war ihr williger Schoßhund, war ihr hörig, habe immer unter dem Schreibtisch gelegen und sie verwöhnt. Ich war auch immer bei den persönlichen Sitzungen und Büropartys dabei, musste die anderen Herren verwöhnen, auch sexuell. Charlotte hat nachher die Herren erpresst und sie für ihre Zwecke missbraucht. Ich habe für mich, heimlich ein Tagebuch geführt und auch Abzüge der Fotos gemacht! Heute Morgen, als ihre Frau aus ihrem Geheimfach die Pistole holte, vergaß sie in ihrer Rage, die Tür von dem Safe zu schließen. Ich habe schnell die rote Liste, mit der sie ihre Opfer erpresst hat kopiert, hier, bitte, nehmen sie alles, seien sie vorsichtig, sie können Niemanden trauen, alles was Rang und Namen hat, wurde von ihr abhängig gemacht. Ich bekam vorhin einen Anruf vom Anwalt, er sollte mir ausrichten: wenn ich irgendjemand etwas erzähle wäre ich tot, ich sollte so schnell wie möglich verschwinden, sie brauche mich nicht mehr.“ Was der Junge da von sich gegeben hatte, dass war ja ungeheuerlich. Chris nahm das Bündel Papiere, auch das Tagebuch und sagte Dankeschön: „Ich werde vorsichtig sein!“ Der Knabe verschwand sofort. Alle standen nun um Chris herum, wollten sehen, was in der Mappe war, man hörte ein erschrockenes Aufschreien! Nein, was sie dort vorfanden, dass war nicht mehr normal, das war wirklich die ganze Oberschicht, sie hatte gute Arbeit geleistet, alle waren in ihrer Hand! Oh nein, dass war mehr als kriminell und, das war jetzt für Chris und alle hier, sehr gefährlich! Wie sollten sie sich jetzt verhalten und wem konnten sie jetzt noch vertrauen? Dann war es wirklich für Charlotte nur ein Klacks, wieder auf freiem Fuß zu sein! Dann war es keine Phrase, dass sie jetzt Lisa und Chris kalt machen wollte! Ja, dann war es auch nur ein Anruf und die Zeitungen würden am Morgen, Fotos und Sachlagen schildern, die in Wahrheit nicht stimmten! Und was waren das gleich für Kripobeamte, die hier aufkreuzen sollten? Sie beschlossen, ganz schnell das Haus zu verlassen, hier waren sie wirklich in großer Gefahr! Lisa ging noch zum Bett, legte die Decke und die Kissen so, dass es aussah, als würden sie dort noch schlafen, dann verschwand auch sie, mit allen anderen nach Draußen.